Programmierung des Homematic-Systems

Die Programmierung der CCU von Homematic sollte von einem Fachmann oder sehr versierten Nutzer ausgeführt werden, da hier einige Fallstricke zu beachten sind. Zusätzliche Programmlogiken und die Steuerung von Nicht-Homematic-Bauteilen über das lokale Netzwerk bedürfen sicher keines Informatikstudiums, können aber durchaus sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

Über das Einrichten der Geräte wird in der Installationsanleitung von Homematic genug erzählt, daher beschränke ich mich hier auf die etwas spezielleren Punkte:

 

Direktverknüpfung VS Programme auf der CCU

Viele Funktionen sind über Direktverknüpfungen von einem Eingang (z.B. Tasteingang) und einem Ausgang (Schaltausgang / Dimmer / Jalousie / etc.) realisierbar. Diese Direktverknüpfungen stehen auch zur Verfügung, wenn die CCU (Zentrale zur Programmierung) ausfällt. Die Verknüpfungspartner müssen dabei nicht auf dem gleichen Aktor liegen. Ein Schalteingang von einem Jalousieaktor kann damit auch mit einem Ausgang eines Dimmaktors direktverknüpft werden. Bei der Direktverknüpfung können auch etwas komplexere Abläufe wie z.B. Treppenhauslicht (verzögertes Ausschalten) eingestellt und zwischen langem und kurzem Tastendruck unterschieden werden. Mit dem Expertenmodus (dieser muss in der Systemsteuerung der CCU freigeschalten werden) lassen sich noch weitere Parameter einer Direktverknüpfung einstellen.

Wichtig: Ein Partner einer Direktverknüpfung kann auch in weiteren Dirketverknüpfungen verwendet werden.


Sobald die Wünsche bei der Programmierung anspruchsvoller werden stoßen diese Verknüpfungen jedoch an ihre Grenzen und es muss auf Programme ausgewichen werden, die sehr komplexe Aufgaben erledigen können. Sollen z.B. mit einem kurzen Tastendruck Statusvariablen abgefragt (z.B. Uhrzeit) und mehrere Geräte gleichzeitig angeschalten werden, die bei einem langen Tastendruck wieder ausgehen, so muss dafür ein Programm erstellt werden. Die Programme haben zur Konfiguration solcher Szenarien eine vorgegebene „WENN, DANN“ Struktur, die prüft, ob bestimmte Bedingungen erfüllt sind und daraufhin Aktionen ausführt. Dabei können durch das zugrundeliegende PHP-Framework auch HTTP-Requests (z.B. zur Squeezebox-Steuerung) abgesetzt werden und Statusvariablen ausgewertet werden.

Das Beispiel zeigt zwei Beispielprogramme eines Bewegungsmelders, der ein Flurlicht schaltet, welches in den Abendstunden sehr hell ist, in den Nachtstunden jedoch nur eine kleine Nachbeleuchtung.

Empfehlung: Sofern möglich, sollten Direktverknüpfungen vorgezogen werden, um die Ausfallsicherheit zu erhöhen.

Beschriftung der Aktoren – Eingänge und Ausgänge

Bereits beim Anlernen der Geräte in der Homematic CCU sollte auf eine einheitliche und erweiterbare Beschriftung geachtet werden. Beim späteren Programmieren von größeren Systemen mit vielen Aktoren ist es damit wesentlich einfacher (vor allem schneller) neue Verknüfpungen und Programme zu erstellen, da nicht immer nach Seriennummern gesucht werden muss. Die automatisch erzeugten Namen entsprechen den Gerätenummern. Dies ist für die Erstidentifikation nach der Hardwareinstallation und der Erkennung des passendenden Aktors im Schaltschrank wichtig. Die Beschriftung sollte beispielsweise das Geschoss (z.B. EG), die Aktornummer im Schaltschrank (z.B. A4) und wenn möglich den Zweck des Aktors beinhalten (z.B. Licht Küche). Da zumindest beim Wired-System Taster und Geräte bereits zugeordnet sind, sollten auch alle belegten Ein- und Ausgänge direkt beschriftet werden.

Bsp.: „EG A4 Taster Eingang 4
Homematic Wired – Welcher Tasteingang lag nochmal an welchem Aktor: Das Protokoll hilft

Sollte nach dem verlegen der Kabel und dem anlernen der Geräte der genaue Eingang eines Tasters unklar sein, so hilft das Protokoll. Dieses ist für jeden Aktor einzeln aktivierbar. In der Protokollübersicht sollte das vorhandene Protokoll geleert werden. Anschließend wird der Taster getastet und sollte nun im Protokoll mit Name und Kanal erscheinen.

Sicherung und Backups

Nach der Programmierung der CCU unbedingt ein Backup anfertigen! Sollte der unwahrscheinliche Fall eines Systemcrashes mit Datenverlust eintreten, so ist es immer besser ein Backup auf einer neuen CCU einspielen zu können, als alles von neuem aufzusetzen…

Programmideen

Bewegungsmelder mit starkem Licht in den Abendstunden und wenig Licht in der Nacht (siehe oben)

Alles-Aus-Schalter im Eingangsbereich

Alle Jalousien über einen Taster runter / hoch fahren

Taster für Squeeezebox Play / Pause und gleichzeitig Strom für Steckdose Aktiv-Box

 

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Installation der Homematic Hardware

Bei der Verkabelung einer Neuinstallation durch den Elektriker sind einige wichtige Dinge zu beachten und im Vorfeld zu Berücksichtigen. Ein ausführlicher Plan mit einer Standardbelegung von Tastern, der Position von Lampen und Bewegungsmeldern und Jalousien ist unbedingt erforderlich. Dabei sollte eine einheitliche Namensgebung für die einzelnen Bauteile mit dem Elektriker abgesprochen werden. Ein Beispiel für den Plan eines Untergeschosses schaut z.B. so aus:

Sternförmige Verkabelung und Vorsehen von Leerrohren

Von allen Verbrauchern, die an die Hausautomatisierung angeschlossen werden sollen, müssen Sternförmig Leitungen zum Verteiler gezogen werden. Dabei sollten natürlich auch einzelne Geschosse über die Datenleitung verbunden werden. Ein Verteiler pro Etage (normale Wohnhäuser) ist dabei sinnvoll. Leerrohre für zukünftige Installationen sollten dabei schon vorgesehen werden, da eine Nachrüstung fast unmöglich ist. Ethernet sollte natürlich bei der Verkabelung direkt mit verlegt werden – wenn möglich in allen Räumen und am Hauseingang. Wenn die Nutzung von Kameras vorgesehen ist (diese können später über POE – Power over Ethernet – betrieben werden und benötigen nur ein LAN-Kabel), so müssen an die zukünftigen Standorte ebenfalls Kabel verlegt werden. Türsprechanlage und Fritzbox (oder Alternatives Modem mit Telefonfunktion) sollten ebenfalls verkabelt werden. Zu diesem Zeitpunkt sollte man schon sicher wissen, wo das DSL-Modem, POE-Router und Homematic CCU stehen werden.

Schaltschrank mit Homematic Bauteilen

Dies ist ein Beispiel für ein Erdgeschoss, bei dem alle Lichter, Jalousien und einige Steckdosen über Homematic verkabelt sind und zusätzliche Relais für Bewegungsmelder und DALI Steuerung verwendet werden. Die Größe eines Schaltschranks ist in diesem Fall natürlich größer als bei einer „normalen“ Elektroinstallation. Die Verkabelung sollte unbedingt ein Elektriker vornehmen.

Absicherung der einzelnen Schaltkreise FI-Schutzschalter

Da meist mehrere Verbraucher in Form von Lampen oder schaltbaren Steckdosen an einem Homematic-Bauteil (z.B. 12 Ausgänge, 12 Eingänge) liegen, sollten diese Ausgänge schon nach Zimmern geordnet in die Installation aufgenommen werden und jeweils zusammen über eine Sicherung abgesichert werden.

zusätzliche Relais an Schaltausgänge (zeitgesteuert, einfach)

Zusätzliche Steuerungen, die über Homematic nicht realisierbar sind bedürfen unter umständen der Integration von Relais im Schaltschrank. Damit können z.B. Taster simuliert werden mit Zeitschaltungen unter einer Sekunde (ist über Homematic sonst nicht möglich) oder komplexere Dimmaktoren von z.B. von DALI gesteuert werden. Zwar bietet Homematic auch eigene Bewegungsmelder im Programm, allerdings gibt es zum Teil günstigere und vom Funktionsumfang höherwertige Bewegungsmelder von anderen Herstellern, die ebenfalls über ein Relais einen Eingang von Homematic steuern können.

Bewegungsmelder

Die installation von Nicht-Homematic-Bewegungsmeldern erfolgt ebenfalls über das Vorschalten eine Relais vor einen Schalteingang. Damit wird beim Triggern des Bewegungsmelders für einen kurzen Zeitraum ein Tastendruck simuliert. Dieser kann dann als Verknüpfungsparameter in der Steuerung genutzt werden.

Taster und Steuerung

Der Großteil der Steuerbefehle wird über Taster initiiert, die in der Planung großzügig dimensioniert verwendet werden sollten. Das automatisierte Haus darf dabei ruhig ein paar Taster mehr haben, da eben auch mehr Steuermöglichkeiten vorhanden sind als nur Licht an / Licht aus. Denken Sie dabei an Steckdosen zum Stromsparen (Standby), „Alles Aus“- Schalter in Eingangsnähe, „Alle Jalousien Hoch / Runter“-Taster, Musik An / Aus-Taster und ähnliche Einsatzgebiete. Auch Lichtszenen sind denkbar. Von Gira gibt es z.B. sehr schöne 6-Fach Schalter, die mit Symbolen versehen werden können, um nicht den Überblick über die Funktionen zu verlieren.

Später soll das System natürlich auch über Smartphone / PC / iPad gesteuert werden. Wie das gelingt steht im Kaptel Mediola Steuerung.

Integration Homematic CCU

Da die CCU (Steuerungslogik für Programme und Anlernen der Homematic Bauteile) über den BUS mit den Bauteilen im Schaltschrank verbunden werden muss, empfiehlt sich eine Installation in dessen Nähe. Auch wenn mehrere Geschosse verkabelt werden ist nur eine CCU nötig (es sollte auch nur eine verwendet werden!).

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Homematic als Automatisierungslösung

Warum die Entscheidung für Homematic als Automatisierungslösung?

Homematic liefert eine zentrale Lösung für Bussystem und Steuerungssoftware, die mittlerweile mehrere Jahre am Markt ist und ständig weiterentwickelt wird. Dabei sind die einzelnen Komponenten teils deutlich günstiger als Lösungen von Gira (KNX). Bei den Komonenten liefert Homematic sowohl Funk- als auch Wired (kabelgebunden) Aktoren und Taster. Die Wired Komponenten sind bei einer Neugestaltung der Elektroinstallation vorzuziehen und werden auf standardisierten Hutschienensystemen montiert. Ein Vorteil von Homematic ist die Rückkanalfähigkeit der einzelnen Aktoren. Damit ist der Status eines Aktors immer in der Zentrale bekannt. Dies ist bei günstigeren Lösungen meist nicht der Fall.

Verfügbare Aktoren von Homematic (www.homematic.de):

Dimmaktoren

Jalousieaktoren

Aktoren mit mehreren Ein- und Ausgängen

Thermostate zur Heizungssteuerung

Wetterstationen

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